Fragen und Antworten zu Gott, Jesus, Bibel und Glaube aus dem Buch „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ von Prof. Dr. Werner Gitt, ehemals Direktor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig und Redner auf vielen christlichen Veranstaltungen.
Woher kann ich wissen, dass es Gott überhaupt gibt?
Es gibt kein Volk und keinen Stamm auf dieser Erde, in dem die Menschen nicht in irgendeiner Form an einen Gott, einen Geist oder ein Wesen glauben, das über ihnen steht. Das gilt auch für die isoliertesten Urwaldstämme, die nie eine Berührung mit einer anderen Kultur und schon gar nicht mit dem Evangelium hatten. Wie kommt das? Wir haben alle die denkerische Fähigkeit, von den wunderbaren Werken der beobachtbaren Schöpfung auf den unsichtbaren Schöpfer zu schließen. Niemand glaubt, dass ein Auto, eine Uhr oder auch nur ein Knopf oder eine Büroklammer von selbst entstehen. Darum schreibt Paulus im Neuen Testament: »Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken, sodass sie keine Entschuldigung haben« (Röm 1,20). Aus der Schöpfung können wir allerdings nur erfahren, dass ein Gott exi stiert und auf seine Kraft und seinen Ideenreichtum schließen, nicht aber auf seine Wesensart (z. B. Liebe, Leben, Barmherzigkeit, Güte). Dazu ist uns die Bibel gegeben.
Wo ist Gott?
Nach unseren menschlichen Vorstellungen versuchen wir, Gott räumlich zu lokalisieren. Darum finden wir bei den heidnischen Gottesvorstellungen des Altertums wie auch im Neuheidentum derartige Angaben. Die Griechen glaubten, ihre Götter würden auf dem Berg Olymp wohnen, und die Germanen lokalisierten sie in Walhall. Der französische Mathematiker und Astronom Pierre S. M. Laplace (1749–1827) meinte: »Ich habe das ganze Weltall durchforscht, aber Gott habe ich nirgends gefunden.« Ähnliches stellten auch sowje¬tische Kosmonauten fest: »Ich bin Gott bei meinem Flug nicht begegnet« (Nikolajew, 1962 mit Wostok III). Alle diese Aussagen sind im Licht der Bibel grundfalsch, denn Gott ist überräumlich. Er, der den Raum geschaffen hat, kann nicht Teil des Raumes sein. Vielmehr durchdringt er jede Position des Raumes; er ist allgegenwärtig. Dies erklärt Paulus den heidnischen Athenern auf dem Areopag: »In ihm (Gott) leben, weben und sind wir« (Apg 17,28). Der Psalmist weiß ebenso um diese Realität, wenn er bekennt: »Ich gehe oder liege, so bist du um mich … und hältst deine Hand über mir« (Ps 139,3+5). Auch hier wird das vollständige Umgeben und Durchdringen Gottes angezeigt. Die mathematische Vorstellung von höherdimensionalen Räumen (unser Raum hat drei Dimensionen) kann uns bei der Frage »Wo ist Gott?« eine Hilfe sein. Der n‑dimensionale Raum ist dabei nur eine Untermenge des (n+1)-dimensionalen Raumes. So ist z. B. der vierdimensionale Raum nicht vom dreidimensionalen aufnehmbar, dennoch durchdringt er ihn völlig. Diesen Sachverhalt be schreibt die Bibel, wenn es in 1. Könige 8,27 heißt: »Denn sollte in Wahrheit Gott auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen.«
Was bedeutet das Wort Gott – G.O.T.T.?
Das Wort »Gott« ist kein Akronym, d. h. ein aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort wie z. B. UFO (= Unbekanntes Flugobjekt). Gott hat sich den Menschen immer wieder mit neuen Namen offenbart, die mit ihrer Wortbedeutung das Wesen Gottes beschreiben (die folgenden Bibelstellen geben das erste Vorkommen an):
Elohim (1Mo 1,1; Gott – Pluralform, um die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist auszudrücken)
Eloah (41-mal im Buch Hiob, sonst nur vereinzelt; Gott – Singularform von Elohim)
El (1Mo 33,20; Gott, der Allmächtige)
El-Olam (1Mo 21,33; ewiger Gott)
El-Schaddai (1Mo 17,1; allmächtiger Gott)
El-Roi (1Mo 16,13; Gott, der mich sieht)
Jahwe (1Mo 2,4; nach 2Mo 3,14–15 »Ich bin, der ich bin«)
Jahwe-Rapheka (2Mo 15,26; Jahwe, dein Arzt)
Jahwe-Nissi (2Mo 17,15; Jahwe, mein Panier)
Jahwe-Jireh (1Mo 22,13+14; Jahwe ersieht)
Jahwe-Schalom (Ri 6,24; Jahwe ist Friede)
Jahwe-Zidkenu (Jer 23,6; Jahwe, unsere Gerechtigkeit)
Jahwe-Schammah (Hes 48,35; Jahwe ist daselbst)
Jahwe-Roi (Ps 23,1; Jahwe, mein Hirt)
Jahwe-Zebaoth (Gott der Heerscharen)
Adonai (1Mo 15,2; mein Herr, 134-mal im AT)
(Lit.: Abraham Meister: Biblisches Namenslexikon, Pfäffikon, 1970)
Warum ist Gott nicht zu sehen?
Die ersten von Gott geschaffenen Menschen, Adam und Eva, lebten in der Gemeinschaft mit Gott, sodass sie ihn auch von Angesicht zu Angesicht sehen konnten. Im Sündenfall trennte sich der Mensch von Gott. Es ist ein heiliger Gott, der jede Sünde hasst, und somit endete diese ursprüngliche Gemeinschaft. »Gott wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann« (1Tim 6,16), darum werden wir ihn erst wieder sehen, wenn wir nach dem Tode in sein Vaterhaus kommen. Der Weg dorthin ist nur durch den Herrn Jesus möglich: »Niemand kommt zum Vater denn durch mich« (Joh 14,6).
Ist das ein Gott der Liebe, wenn er all die Not in dieser Welt zulässt? Warum lässt Gott das Leid zu?
Vor dem Sündenfall gab es weder Tod noch Leid, weder Schmerz noch irgendetwas von dem, was uns heute so viel Mühe macht. Gott hatte alles so gestaltet, dass der Mensch unter idealen Bedingungen leben konnte. In freier Entscheidung ging der Mensch eigene Wege, die von Gott wegführten. Warum Gott uns einen so weiten Freiheitsradius zubilligt, können wir nicht erklären. Wir stellen aber fest: Wer von Gott weggeht, gelangt ins Elend. Diese bittere Erfahrung machen wir bis zum heutigen Tag. Manche Menschen sind dazu geneigt, Gott die Schuld zuzuschieben. Dabei sollten wir bedenken, dass nicht Gott, sondern der Mensch der Verursacher ist. Wenn wir des Nachts auf der Autobahn das Scheinwerferlicht ausschalten und es so zu einem Unfall kommt, dürfen wir nicht dem Autohersteller die Schuld geben. Er hat die konstruktiven Vorgaben für die Beleuchtung gegeben; wenn wir sie willentlich ab schalten, ist das allein unsere Sache. »Gott ist Licht« (1Joh 1,5), und wenn wir uns in die Finsternis der Gottesferne begeben, dürfen wir uns nicht bei dem Schöpfer beklagen, der uns doch für seine Nähe geschaffen hat. Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, denn er hat Unvorstellbares ge tan: Er gab seinen eigenen Sohn dahin, um uns aus unserer selbst verschuldeten Situation freizukaufen. Jesus sagt von sich in Johannes 15,13: »Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.« Gibt es eine größere Liebe? Nie ist etwas Größeres für den Men schen vollbracht worden als in der Tat auf Golgatha: Das Kreuz ist somit der Höhepunkt göttlicher Liebe.
Wir leben alle – ob gläubig oder ungläubig – in der gefallenen Schöpfung, in der das Leid in all seinen uns wohlbekannten Ausprägungen genereller Bestandteil ist. Nicht deutbar bleibt für uns das individuelle Leid. Warum geht es dem einen gut, und der andere ist durch Not und schwere Krankheit hart geschlagen? Oft muss der Gläubige sogar mehr leiden als der Gottlose, wie es der Psalmist feststellt:
»Denn es verdross mich der Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohlging. Denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest wie ein Palast. Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt« (Ps 73,3–5).
Er findet aber auch die rechte Einordnung seiner individuellen Not, die er nicht als Strafe für eigene Sünde ansieht. Er hadert nicht mit Gott, sondern klammert sich fest an ihn:
»Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an … Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil« (Ps 73,23–24+26).
Hat nicht Gott Schuld an allem?
Als Gott Adam nach dem Sündenfall zur Rechenschaft zog, verwies dieser auf Eva: »Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum« (1Mo 3,12). Als Gott dann die Frau ansprach, wies auch Eva von sich weg: »Die Schlange betrog mich also, dass ich aß« (1Mo 3,13). Bezüglich un serer Schuld haben wir ein merkwürdiges Verhalten: Wir weisen immer von uns ab, bis wir letzt lich Gott zum Schuldigen erklären. Nun aber geschieht das Unvorstellbare: In Jesus nimmt Gott alle Schuld auf sich: »Denn Gott hat den (= Jesus), der von keiner Sünde wusste, zur Sünde gemacht« (2Kor 5,21). Das Gericht Gottes über die Sünde der Welt entlädt sich auf den Sohn Gottes. Ihn trifft der Bannstrahl mit voller Schärfe; das ganze Land verfinstert sich für drei Stunden, er ist wirklich von Gott verlassen. »Er hat sich selbst für unsere Sünden gegeben« (Gal 1,4), damit wir frei ausgehen können. Das ist das Manifest der Liebe Gottes. Eine bessere Botschaft als das Evangelium gibt es nicht.
Ist der Gott des AT ein anderer als der des NT?
Manche Leute sind der Meinung, im AT sei Gott ein Gott des Zornes und der Rache und im NT ein Gott der Liebe. Diese Auffassung ist durch die beiden folgenden Aussagen aus dem AT und NT leicht zu widerlegen: In Jeremia 31,3 sagt Gott: »Ich habe dich je und je geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte«, und im NT lesen wir bei Hebräer 10,31: »Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.« Gott ist sowohl der zornige Gott gegenüber der Sünde als auch der liebende Gott ge genüber den Bußfertigen. Dieses Zeugnis finden wir sowohl im AT als auch im NT, denn Gott ist immer derselbe. Bei ihm »ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis« (Jak 1,17). Ebenso hat sich der Sohn Gottes wesensmäßig nie verändert: »Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit« (Hebr 13,8).
Die Bibel ist voller Beispiele, wie Gott die Sünde an Menschen richtet und wie er andererseits die Seinen bewahrt. In der Sintflut ging die ganze Menschheit wegen ihrer Bosheit unter, und nur acht Leute wurden errettet. Ebenso wird im Endgericht der größte Teil der Menschheit verloren gehen, weil sie den breiten Weg der Verdammnis gingen (Mt 7,13–14). Gott hatte seinem Volk Israel das verheißene Land gegeben, aber beim Auszug aus Ägypten überfallen die Amalekiter die Nachzügler. In 5. Mose 25,17–19 wird den Amalekitern das Gericht der Austilgung angesagt, das Saul zu späterer Zeit auf Befehl Gottes auszuführen hatte (1Sam 15,3). Zu neutestamentlicher Zeit werden Ananias und Saphira von Gott getötet, weil sie nicht die ganze Wahrheit sagten (Apg 5,1–11). An diesen Beispielen können wir ler nen, dass Gott jede Sünde ernster nimmt, als wir denken. Auch darin hat sich Gott nie geändert. Er hasst jede Sünde, und er wird jegliche Missetat richten. Er könnte auch heute ganze Völker vernichten. Wir Deutschen haben gegen über Gott in besonders harter Weise gesündigt, weil in unserem Volk während des Dritten Reiches ein radikales Ausrottungsprogramm gegen sein Volk Israel entwickelt wurde. Die 40-jährige Teilung Deutschlands und der Verlust der Ostgebiete sind ein deutliches Gericht dafür. Gott hätte auch das ganze Volk vernichten können, aber seine Barmherzigkeit war so groß, dass er es nicht getan hat; vielleicht auch wegen der immer noch vorhandenen Gläubigen. Sodom und Gomorra wären nicht untergegangen, hätte es wenigstens zehn Gerechte dort gegeben (1Mo 18,32). Wenn das Gericht nicht immer augenblicklich stattfindet, ist das Gottes Gnade. Einmal aber muss jeder Rechenschaft geben über sein Leben, sowohl die Gläubigen (2Kor 5,10) als auch die Ungläubigen (Hebr 9,27; Offb 20,11–15).
Hinweis: Das Buch „Fragen, die immer wieder gestellt werden“ von Prof. Dr. Werner Gitt kann bei der Christlichen Literatur-Verbreitung (CLV) erworben oder auch als PDF in verschiedenen Sprachen kostenlos heruntergeladen werden.